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				<title>King, Martin Luther, Jr.: Nonviolence Is His Weapon</title>
				<author>Luther, Karl-Heinz</author>

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				<publisher>B.Z. (Axel Springer Verlag)</publisher>
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			<sourceEvent>MLK Visit 1964</sourceEvent>
			<sourceTopic>King Visit 1964</sourceTopic>

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			<commentary>During his flight to Berlin Dr. Martin Luther King talks about the civil rights struggle in his country, his stay in Berlin and about the political struggle of the divided city.
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<body><head><font size="+4"><hi rend="bold">Seine Waffe ist die Gewaltlosigkeit</hi></font></head>
<head><font size="+4"><hi rend="bold">B.Z. - Redakteur K.-H. Luther sprach mit Dr. Martin Luther King auf dem Flug nach Berlin<lb/></hi></font></head>
<p>“Sie können gern in die Mitte. Wir legen keinen besonderen Wert darauf.” Mit diesen Worten wurde mir auf dem Weg nach Berlin ein Mittelplatz angeboten. Von zwei farbigen Mitreisenden, die ich in Berlin kennengelernt hatte. “Wissen Sie”, meinte der eine mit trockenem Humor, “wir wurden schon oft von Weißen in die Mitte genommen - um abgeführt zu werden.” Aber es ist keine Feindschaft in seiner Stimme. Nicht einmal Bitterkeit. Pastor Ralph Abernathy will nicht hassen. Er ist der Freund, Kollege, Mitarbeiter und Zellengenosse von Dr. Martin Luther King. Der nun auf dem Flug neben mir sitzt.</p>
<p>Eine Frage der “Sitzordnung” hat Dr. King, den heute 35jährige Baptistenpfarrer, weltberühmt gemacht. Er leitete einen fast ein Jahr dauernden Bus-Boykott in Montgomery im Südstaat Alabama. Bis die Rassentrennung in den Bussen beseitigt war. Bis ein Farbiger nicht mehr aufstehen musste, wenn ein Weißer stand. Bis ein Farbiger Amerikaner neben seinem weißen Mitbürger sitzen durfte.</p>
<p>Dr. King kam am Wochenende nach Berlin. Auf Einladung des Regierenden Willy Brandts.  Er hielt die Gedenkrede auf Kennedy zur Eröffnung der Berliner Festwochen. Er sprach in der Waldbühne beim “Tag der Kirche”. Er besuchte die Mauer. Und gestern Abend predigte er in der Ostberliner Marienkirche. Die Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule wurde ihm verliehen. Außerdem trug er sich ins Goldene Buch der Stadt ein. </p>
<p>Es ist das Verdienst von Dr. King, wenn die trennenden Rassenschranken mit friedlichen, gewaltlosen Mitteln beseitigt werden können. Im Geiste der Verantwortung. Mit Mut und Maß. </p>
<p>Diesen Geist spürt man sofort, wenn man dem untersetzten Mann gegenübertritt. Wenn er spricht ist jedes Wort durchdacht. Er ist kein Demagoge, der zu überreden sucht. Er vermag Sätze zu formen, die im wahrsten Sinne des Wortes “eindrucksvoll” sind. Seine Worte dringen ein. Sie bleiben haften. <lb/></p>
<p>Er weiß seine Sache zu vertreten. Die Sache des amerikanischen Negers, der er sich ganz verschrieben hat.</p>
<p>“Die ersten Neger brachte man schon vor den Pilgervätern nach Amerika. Wir gehören ebenso zum amerikanischen Volk wie die Weißen, die uns ins Land geholt haben. Wir sind untrennbar mit Amerika verbunden. Und Amerika mit uns.”</p>
<p>Patenlösungen, wie eine Rückkehr nach Afrika, gibt es nach Ansicht von Martin Luther King nicht: “Es gibt nur eine echte Lösung. Weiße und farbige Amerikaner müssen lernen, zusammen zu leben und in Frieden miteinander auszukommen.”</p>
<p>In der Stimme des Negerführers schwingt Stolz mit, als er sagt: “Wir sind Amerikaner.” Und gerade dieser Satz ist mit ein Grund für die Forderung: “Aber wir wollen nicht länger 'Amerikaner zweiter Klasse' sein. Wir wollen volle Bürgerrechte.”</p>
<p>Das von Präsident Kennedy eingebrachte und von der Regierung Johnson verabschiedete Bürgerrechts-Gesetz machte den Weg frei. “Es ist ein hoffnungsvoller Anfang. Aber es wird noch lange dauern, bis über diesen Regeln des Miteinanderauskommens der Geist des Zusammenlebens erwächst.”</p>
<p>Dr. King ist zuversichtlich: “Der Fortschritt ist nicht wieder aufzuhalten. Nicht einmal durch einen Rückschlag, wie es die Wahl Goldwaters zum Präsidenten wäre.”</p>
<p>Allerdings könnte die Bewegung der Farbigen dann in eine extremes Fahrwasser geraten. “Wir verantwortlichen Führer können die Massen nur halten, wenn sie sehen, daß es vorwärts geht. Wenn von Seiten der Regierung in Washington etwas unternommen wird.”</p>
<p>Dr. King weiter: “Die Massen der Farbigen bekennen sich zu unseren Zielen und Methoden. Sie brauchen aber ein Hoffungszeichen. Sonst fallen sie der Verzweiflung anheim, die sich aus ihrem Ghetto-Dasein in den Neger-Slums ergibt.”</p>
<p>Dann wendet sich das Gespräch. Dr. King interviewt mich. Über Berlin und die Spaltung Deutschlands. Er hat ein großes Interesse an diesem Problem. Und er gesteht mir, daß er schon über die Methode der Gewaltlosigkeit bei der Lösung der deutschen Frage nachgedacht hat. “Aber die Verhältnisse liegen hier so ganz anders...”</p>
<p><a href="A_10002_LS_11.jpg">Scanned Original</a></p></body>

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