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				<title>Du Bois, W.E.B.: German Transcript of 1958 Speech at Humboldt University </title>
				<author>Du Bois, William E. B. </author>

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				<folder>W.E.B. Du Bois Ehrenpromotion 3. November 1958</folder>
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			<commentary>German translation of speech given by W.E.B. Du Bois at Humboldt University on October 28, 1958. In his speech, Du Bois discussed the history and prospects of the Pan-African Movement in the twentieth century and illustrated his own involvement throughout its history.</commentary>
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<body><p>Die Rede des amerikanischen Wissenschaftlers</p>
<p>Professor Dr. Du Bois</p>
<p>Am 28. Oktober im auditorium maximum</p>
<p>„Die Panafrikanische Bewegung“</p>
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<p>Meine Damen und Herren!</p>
<p>Wollen Sie mir erlauben, Ihnen herzliche Grüße zu bringen aus meinen Studententagen in dieser Universität 65 Jahre vorher. Leider mein Deutsch von jenen Tagen ist längst verloren, aber meine schönen Erinnerungen sind noch hier. </p>
<p>Wollen Sie mir erlauben, daß ich englisch spreche und lasse meinen Freund hier, den Professor, übersetze</p>
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<p>Es ist in Amerika gewesen, wo der Ausdruck Afrika zum ersten Mal benutzt worden ist, um den ganzen Kontinent zu bezeichnen. Die Griechen haben diese Bezeichnung nicht benutzt, sie nannten das Niltal und Arabien Äthiopien oder das Land der Schwarzen. Die Römer nannten Kart[h]ago und sein Hinterland bis hinab zur Wüste Afrika. Die Araber benutzten den griechischen Ausdruck, welcher in ihrer eigenen Sprache zu Sudan wurde, ebenfalls Land der Schwarzen. Die Völker Afrikas, die kein Wort für den gesamten Kontinent hatten, sondern nur Bezeichnung für die einzelnen Teile, etwa Ägypten, Newat, Songhai, Guinea, Kongo und Mons-Passage; diese Ausdrücke bezogen sich nicht auf den ganzen Kontinent, sondern nur auf einzelne Völker unter den verschiedenen Namen.</p>
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<p>Als dann während des 18. Jahrhunderts ein großer Strom von Afrikanern von allen Teilen des Kontinents und den vielen Stämmen und Afrikaner-Nationen nach den westindischen Inseln transportiert, verschifft wurden, mischte man sie absichtlich durcheinander und zwar sowohl in bezug auf die einzelnen Stämme als auch ihre Sprachen und hinsichtlich ihres kulturellen Lebens, um eine Verschwörung und einen Aufstand zu verhindern. Von den Westindis wurden diese Sklaven nach den Vereinigten Staaten verschickt und nach Jahren formten sie dort eine neue Kultur mit einer neuen Sprache. Ihr gemeinsames Band war ihr gesellschaftlicher Status als Sklaven, ihre Hautfarbe, die Struktur ihres Staates und das Land ihrer Herkunft, Afrika. Und da die wenigsten von ihnen ihre heimatliche Nation, ihr heimatliches Volk oder ihren Stamm kannten, so wurde der Ausdruck Afrika als bezüglich auf den ganzen Kontinent benutzt und zwar auf amerikanischem Boden, noch ehe er sich in Afrika selbst einbürgerte. Afrikanische Kirchen, afrikanische Gesellschaften und Verbünde wurden in New York, Philadelphia und New Port gegründet und die amerikanischen Neger sahen die Rückkehr nach Afrika als ihr Zukunftsideal und Ziel an. </p>
<p>Inzwischen hatte sich die Welt verändert, die Suche nach neuen Wohnplätzen, der Handel in bezug auf Nahrungsmittel und Güter des täglichen Bedarfs und die Nachfrage nach Arbeitskräften</p>
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<p>brachten Gold und Gewürze von Afrika nach Europa, Güter also darüber hinaus von Asien nach Europa und schließlich Arbeiter aus dem nördlichen Europa zum Mittelmeergebiet und von Afrika nach Asien. Die bedeutendste Arbeiterbewegung trat ins Leben als Amerika entdeckt wurde, eine Bewegung, die durch die Entdeckung des neuen Landes und der neuen Rohmaterialen Arbeiter anzog. Silber, Tabak, Zucker, Baumwolle, waren im Überfluß vorhanden und Arbeitskräfte, um sie zu nutzen, wurden von Europa nach Amerika transportiert. Diese neuen Handelsgüter auf dem Hintergrund einer neuen Wissenschaft und Technik vergrößerten den Bedarf für europäische Arbeitskräfte, während billige Arbeitskräfte von Afrika zugänglich wurden. Große Zahlen von Arbeitern wurden so in Bewegung gesetzt zu den verschiedensten Teilen der Welt hin, nach Europa, nach Westindie, nach Zentral-, Süd- und Nordamerika. Dieser Handel in Gütern und menschlicher Arbeitskraft brachte die Eingeborenen Afrikas ebenfalls in Bewegung über den Sudan hin, dann vom Sudan nach Zentral-Afrika, von Zentral-Afrika nach Südafrika. </p>
<p>Einzelne Stämme und Stammesverbände, einzelne Sprachen und Farbschattierungen mischten sich. Während des 19. Jahrhunderts sorgten Sklavenaufstände und europäische, philanthrophische Bestrebungen dafür, daß der Sklavenhandel aufhörte, daß die Sklaverei in Amerika zumindest teilweise und nominell abgeschafft wurde und Europa Afrika und Asien mit seiner politischen Herrschaft und seinen ökonomischen Investitionen überzog. </p>
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<p>Als ein Ergebnis dieser Bewegung ist in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als mein politisches aktives Leben begann, Asien und Afrika fast vollständig unter europäische und nordamerikanische Herrschaft gekommen. Die verschiedenen Gruppen afrikanischer Abkunft wurden verteilt und zwar über ganz Afrika verstreut, über die westindischen Inseln, über Süd- und Zentralamerika, über Asien und die Vereinigten Staaten. Diese einzelnen Splittergruppen hatten wenig Kenntnis voneinander, keine Publikations- und Kommunikationsmittel, keine gemeinsame Sprache, sie gehörten nicht zu einer bestimmten Rasse und auch nicht zu einer bestimmten Hautfarbe. Diese Splittergruppen gehörten keiner bestimmten Rasse an, noch waren sie durch bestimmte physische Charakteristika bestimmt. Etwas allerdings hatten sie gemein und das war, daß ihnen von seiten der Weißen, die die Welt beherrschten, mit Verachtung und schlechter Behandlung begegnet wurde. Der Grund dafür lag, wie ich es zunächst als Junge ansah, in der Tatsache, daß farbige Menschen arm und unwissend waren und daher auch nicht in der Lage waren, sich im Konkurrenzkampf mit der weißen Welt durchzusetzen. Dies war jedoch nur teilweise wahr und in meiner häuslichen Umgebung und als ein Junge war ich noch sicher, daß man diesem Umstand abhelfen könne durch Schulen, durch harte Arbeit und durch Sparsamkeit. Ich bemühte mich darum, ein</p>
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<p>guter Schüler zu sein, kam selten zu spät, fehlte nie und tat ohne große Schwierigkeiten die gleiche Arbeit wie meine weißen Mitschüler. Als ich dann aber auf das College zog, auf die Universität zog, war ich doch überrascht, daß ein völlig neuer Grund für die Diskriminierung der farbigen Bevölkerung angegeben wurde, daß man nämlich sagte, ein Farbiger habe ein dem Weißen unterlegenes Gehirn. Dies rief sofort meinen Protest hervor, denn ich wußte ja durch eigene Erfahrung, daß mein Hirn und mein Körper in keiner Weise meinen weißen Kommilitonen unterlegen war. Darüber hinaus wurde ich sehr mißtrauisch als es klar wurde, daß die schlechte Behandlung der Neger als einer minderwertigen Rassen, ob sie es nun waren oder nicht, äußerst vorteilhaft für die weißen Herren waren, die ihre Arbeitskräfte gegen Geld mieteten. Ich begann in jener Zeit mit einem Feldzug, der mich mein Leben lang beschäftigt hat, um zu beweisen, daß der Neger gleichberechtigt sei und um die Neger dazu zu bringen, diese Gleichberechtigung zu fordern. Gleich zu Anfang traf ich auf einige bemerkenswerte Schwierigkeiten. Wie z.B. sollten wir uns selbst bezeichnen? Afrikaner, aber wir waren ja nicht in Afrika geboren, die allerwenigsten von uns haben dieses Land je gesehen und wußten sehr wenig von Afrika, außer dem, was die Weißen uns erzählten. Waren wir Farbige? Nun, dies war ein Terminus, der förmlich von Apologie durchtränkt war und der darüber hinaus keine</p>
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<p>physische und historische Bedeutung hatte. Infolgedessen benutzte ich in meinen ersten Schriften den Ausdruck „Negro“ (Neger) als die beste Bezeichnung für jene sehr komplexe Gruppe. Damit hatte ich in eine Wespennest gestochen, denn in den westindischen Inseln wurden 4 Jahrhunderte lang mit dem Wort Neger nur Sklaven bezeichnet und der Ausdruck war daher ein äußerst verächtlicher, nachgerade beleidigender. Die Kinder schwarzer Mütter und weißer Väter und ihre Nachkommen waren unter dem napoleonischen Gesetz frei und sträubten sich dagegen, als Neger bezeichnet zu werden. Man legte ihnen den Spitznamen „Farbige“ bei und sie nahmen diese Bezeichnung an, um damit zu beweisen, daß sie nicht mehr Sklaven waren. In Haiti und an anderen Stellen kämpften diese Farbigen sogar, um die Schwarzen in der Sklaverei zu halten, in einzelnen Fällen hielten sie sogar selbst Sklaven. Als in den Vereinigten Staaten durch die Negeremanzipation die Neger und die Farbigen zwar formal befreit waren, blieb die Bezeichnung Neger aber dennoch als etwas Abschätziges, hatte etwa den Wert einer gesellschaftlichen Stigmatisierung. Und vor allem unterstützten die Weisen diese Entwicklung, in dem sie sich standhaft weigerten, das Wort Neger mit einem großen N, einem großen Anfangsbuchstaben N zu schreiben. Es ist erst seit 1910, daß die amerikanische Regierung sich bereit erklärt das Wort Neger mit einem großen Anfangsbuchstaben zu schreiben. </p>
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<p>Zu Beginn des 1. Weltkrieges hatten in den Vereinigten Staaten die Neger in ihrer Mehrheit jedenfalls die Bezeichnung „Negro“ als die gültige Bezeichnung für ihre rassische Identität angenommen und sie hatten sich vereinigt in einem intensiven Kampf für ihre Anerkennung als amerikanische Bürger. Dieser Kampf ist noch nicht gewonnen und war auch in der damaligen Zeit nicht gewonnen, aber er hatte doch zumindestens begonnen. Wir hatten eine eigene Literatur, wir hatten eine spezifische eigene Kunst, in Musik und auf dem Gebiet des Dramas entwickelt, aber wir waren noch immer weit davon entfernt, frei zu sein. Aber immerhin hatten wir begonnen, uns die Anerkennung vor Gericht z.B. zu erkämpfen, eine Anerkennung, die uns die gleichen Rechte, wie sie die anderen amerikanischen Bürger hatten, sichern sollte. Als ich begann, die Aufteilung Afrikas zu begreifen, als ich etwa acht Jahre alt war, und als ich dann später im Alter von 43 Jahren in der großen Aula der Universität London sprach, da drohte ein Krieg, ein Krieg im letzten Grunde wegen der Aufteilung der Profite der Kolonien, und ich war damals überzeugt, daß die Nachkommen Afrikas sich in einer gemeinsamen Aktion vereinen müssen, um die Demokratie und die Freiheit in der modernen Welt, in der Welt unserer Tage durchzusetzen und durchzukämpfen. Wie dies Ziel in der Praxis erreicht werden sollten, wußte ich nicht, aber die Erfahrungen beim Treffen beim Weltkongreß der Rassen, bei dem eine große</p>
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<p>Zahl von Afrikanern aus Afrika selbst und ihrer Nachkommen zusammenkamen, dieser Kongreß gab mir doch einige Vorstellung von den Problemen und ich wurde bestärkt von Farbigen aus Asien, deren Probleme ähnlich lagen wie unsere Probleme, von denen ich bisher noch keine Vorstellung gehabt hatte. Aber ich erlebte eine Enttäuschung. Dieser Rassenkongreß starb bereits in seiner Geburtsstunde und die Welt ging in den Krieg von 1914.</p>
<p>Drei Jahre lang waren die Vereinigten Staaten nicht unmittelbar am Kriege beteiligt, aber jeder wußte, wir würden früher oder später ebenfalls zu den Kriegführenden gehören und in diesen verhängnisvollen Jahren zögerte ich immer noch bei der Beantwortung der Frage: „Wo wird der amerikanischen Neger stehen, falls Amerika in den Krieg eintritt? </p>
<p>Als Amerika dann schließlich in den Krieg eintrat, hatten die Neger alle Arten von Diskriminierung durchzumachen, bis hin zur Infragestellung ihres Status als amerikanische Bürger. Aber schließlich mußten die Vereinigten Staaten unser Bürgerrecht anerkennen und sogar 1000 Negeroffiziere für die Armee zulassen. All dies überzeugte mich, daß wir den Krieg, um den Krieg zu beenden nach der Wilson’schen Definition, daß wir diesen Krieg unterstützen sollten, einen Krieg, der allerdings später, wie sich herausstellte, ein amerikanischer Krieg wurde, um Geld zu machen. </p>
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<p>Eine Frage macht mir von Anfang an oder machte mir zunächst besonders zu schaffen und zwar die nach dem zukünftigen Schicksal der deutschen Kolonien in Afrika. Ich schrieb damals an den Präsidenten der Vereinigten Staaten und schlug vor, daß die kommenden Friedensverhandlungen, diese Kolonien, die über 1. Mill. Quadratmeilen bedeckten und 12 ½ Mill. Einwohner hatten, doch internationaler Kontrolle unterstellen sollten. Diese Kolonien wurden Deutschland im wesentlichen von Negertruppen abgerungen. Dies würde eine Gelegenheit sein, ein freies, autonomes Afrika zu schaffen, das man dem doch in gewissen Schwierigkeiten sich befindlichen Liberien und dem äußert unsicheren Äthiopien beistellen könnte. Ich schlug daher vor, daß die zu erwartende Friedenskonferenz doch in Erwägung ziehen möchte, diese Kolonien unter einem internationalen Kontrollamt, unter einer internationalen Verwaltungsbehörde einzurichten, eine Behörde, in der die Afrikaner selbst vertreten sein sollten. Nun Präsident Wilson war damals zu beschäftigt, um auf diese Note überhaupt zu antworten, aber sie wurde weitergeleitet an die Friedenskommission und ich glaube, die Note hatte einigen Einfluß bei der endlich erfolgenden Einrichtung der Mandatskommission des damaligen Völkerbundes. In der Zwischenzeit wurden die Negertruppen, die amerikanischen Negertruppen, die sich in Europa befanden, durch die anderen amerikanischen</p>
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<p>Soldaten sehr schlecht und entwürdigend behandelt und die Nationalgesellschaft zur Förderung der farbigen Bevölkerung, die National Association for the advancement of colored people, zog in Erwägung, mich doch nach Übersee, also nach Europa zu entsenden, um nach dem Waffenstillstand im November 1918 Erhebungen und Untersuchungen durchzuführen. Ich schlug vor, daß wir darüber hinaus einen Pan-afrikanischen Kongreß in Paris abhalten sollten, um einen gewissen Einfluß auf die Friedensverhandlungen und den Friedenskongreß von Versailles auszuüben. Neger in Philadelphia und anderen Orten unterstützten mich in diesem Vorschlag, aber die Direktoren der Nationalgesellschaft zur Förderung der Neger selbst waren unentschlossen und zeigten keine richtige Initiative. Wie ein prominentes Mitglied jenes Direktoriums der NAACP sich damals ausdrückte als er fragte: Haben wir denn nicht genug eigene Sorgen, warum sollen wir uns noch bemühen, die afrikanischen Probleme mitzuregeln? Mit anderen Worten, die übergroße Mehrheit der amerikanischen Neger wurde einer langen, zielbewußten Propaganda gegen Afrika unterzogen. Die Neger verstanden auch gar nicht die afrikanischen Probleme in ihrer ganzen Tragweite und kaum einer kannte wirklich einen Afrikaner persönlich. Sie waren im Gegenteil gegen den seit Jahrhunderten betriebenen Plan, doch die amerikanischen Neger zur Rückkehr nach Afrika zu veranlassen. Dies war natürlich widersinnig, wenn man dagegenhielt, daß in Universitäten und in den Kirchen gelehrt wurde, daß Afrika ja gar keine</p>
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<p>Geschichte habe, und daß die Einwohner Afrikas zur allerniedrigsten Sorte von Barbaren gehörten. So hatte der Durchschnittsneger in Amerika zu Beginn unseren Jahrhunderts nur eine äußerst schemenhafte nebelhafte Vorstellung von irgendeiner Verbindung nach Afrika. Auf der anderen Seite wußte ich selbst einiges über Afrika. Ich hatte zum Beispiel 1915 ein Buch mit dem Titel „The Negro“ „Der Neger“ geschrieben. Ich zögerte allerdings zunächst, dieses Buch zu publizieren, denn in seinen Schlußfolgerungen war es allem, was die Standardautoritäten bisher zu sagen wußten, entgegengerichtet. Darüber hinaus gab es in der damaligen Zeit in Amerika nicht eine einzige Universität, in der Vorlesungen oder Studienkurse über Afrika und afrikanischen Fragen abgehalten wurden. Darüber hinaus kannte ich persönlich einige Afrikaner. Ich hatte Kenia-wabu [?] und Rubisana [?] getroffen und Ike Baby [?] in London. Ich hatte unter anderem de Dubis [?] und Charlotte [Manye]in [Wilberforce] als akademischer Lehrer unterrichtet. Schließlich erlaubte mir die NAACP, also jene Gesellschaft, von der hier dauernd gesprochen wird, zur Förderung der farbigen Bevölkerung, erlaubte mir diese Gesellschaft einen Panafrikanischen Kongreß in Paris abzuhalten, unter der Bedingung, daß ich selbst alle Verantwortung übernahm. Die Regierung der Vereinigten Staaten hatte Vorsorge getroffen, einen gewissen [Moton], der [Booker T. Washington] beim [Tuskegee-Institut] als Nachfolger gefolgt war, nach Paris zu senden, um</p>
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<p>dort die unglücklichen und mit ihrer Behandlung unzufriedenen Negersoldaten zu beschwichtigen. Die Regierung war äußert unangenehm berührt, als ich selbst auf dem gleichen Schiff, mit dem Moton fuhr, als Journalist auftauchte, allerdings waren zu jener Zeit die Vereinigten Staaten noch eine freie Demokratie und man konnte mich nicht einfach zurückschicken, wollte man den Schein der Legalität nicht verletzen. Bei meiner Ankunft in Paris setzte ich mich unverzüglich mit den entsprechenden amerikanischen Stellen in Verbindung und trug meinen Plan vor. Alle Mitglieder der amerikanischen Behörden rieten mir dringend ab. Sie machten mir klar, daß Paris immer noch unter Kriegsrecht stand und ein solches Treffen wie ein Panafrikanischer Kongreß nicht in Frage käme. Mein Versuch, Präsident Wilson selbst zu sprechen, trug mir nur ein Interview mit einem Colonel Haws ein, der als sein Vertreter fungiert und sich auch recht freundlich zeigte, aber nichts unternahm. Darauf hin wandte ich mich mit meinem Anliegen nach Afrika. Ich ging zu [Blaise Diagne], dem damaligen französischen Unterstaatssekretär für koloniale Angelegenheiten. Er selbst war ein schwarzer Senegalese und äußert aufgebracht über die amerikanische Forderung und über die Behandlung, die die eigenen französischen Negertruppen hatten erdulden müssen. Jener Unterstaatsekretär wandte sich schließlich direkt an den Premierminister Clemenceau. <hi rend="underline">Tonbandwechsel, fehlt deutsch ein Satz!</hi></p>
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<p>Hunderttausende schwarze Soldaten wurden zwar niederkartätscht durch die deutsche Artillerie, aber Frankreich blieb am Leben. Darüber hinaus mochte Clemenceau die Vereinigten Staaten nicht. Er zögerte, aber schließlich gab er mir grollend freie Hand: Führen Sie bitte Ihren Kongreß durch, aber wirbeln Sie um Gottes Willen nicht zuviel Staub auf. In der Zwischenzeit hatten sich Neger in Amerika für Einreisevisen beworben, um zu diesem Treffen zu kommen. Man hatte ihnen erzählt, Frankreich hätte diesen Kongreß untersagt. In England wurden sowohl weißen als farbigen Bewerbern für Visen diese verweigert. Afrikaner wurden in gleicher Weise zurückgeschickt. Offenbar hatte man mir gestattet, einen Kongreß zu haben, aber es würde ein Kongreß ohne Anwesende, ohne Teilnehmer gewesen sein. Eine ziemlich heftige Suche in Frankreich und in Paris brachte schließlich eine Reihe von Freunden zusammen, eine Zahl von farbigen Armeeoffizieren fanden sich. Mannschaftsdienstgrade auf Urlaub wurden zusammengerufen. Britische und französische Soldaten und Zivilisten, die hier und dort anzutreffen waren, wurden mobilisiert und alles in allem trafen sich 57 Personen meist afrikanischer Herkunft im Grand-Hotel von Paris im Februar 1919 zum ersten Panafrikanischen Kongreß. 12 der Teilnehmen waren von Afrika, 16 aus den Vereinigten Staaten, 20 von den Westindis. Der Unterstaatssekretär [Blaise Diagne] leitete als Präsident jenen ersten Panafrikanischen Kongreß, ich selbst war Sekretär</p>
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<p>dieses Unternehmens. Das französische Außenministerium war vertreten und die holländischen und belgischen diplomatischen Vertretungen.</p>
<p>In der Öffentlichkeit war dieses Treffen ein ausgesprochener Erfolg. Unsere Deklarationen und Abschlußdokumente wurden von der Presse ganz Europas diskutiert und unsere Forderungen fanden einen weiten Widerhall und die Sympathie vieler Länder. Es besteht kein Zweifel, daß ein zweiter Panafrikanischer Kongreß die Welt abermals mit dem Problem konfrontieren würde. Ich selbst wurde ermuntert und ermutigt, doch die Einrichtung einer ständigen Organisation zu betreiben mit einem zentralen Büro in Paris und eine ständigen Exekutivausschuß. Auf der anderen Seite machte sich die Opposition bemerkbar und meldete sich zu Wort und zwar nicht nur von den imperialistischen Mächten, unter ihnen einzelne Splittergruppen, die schließlich ihrerseits die Basis von Organisationen in der Zukunft abgeben würden. </p>
<p>In die Westindis kam Marcus Ga[r]vey. Er führte die verarmten und unterdrückten schwarzen Bauern gegen die Ausbeutung durch Weiße- und Mulatten-Kapitalisten an. Er begründete eine Organisation, die sukzessive die Kontrolle über den Handel und die das Kapital übernehmen sollte und zwar nicht nur in den westindischen Inseln, sondern auch in Afrika selbst und so die weiße Vorherrschaft nach und nach durch die schwarze ersetzen sollte. Es handelt sich</p>
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<p>hierbei um eine Idee, die in Amerika und in Afrika Boden gewann und weit verbreitet wurde und zur Begründung einer großen Organisation führte. Aber die praktische Durchführung der Ziele von Marcus Ga[r]vey überstieg bei weitem die Kraft, die die Neger besaßen. Die Ziele, die sich Ga[r]vey vorgenommen hatten, mußten ihn in einen Widerspruch zu Liberien bringen und stellten sich als den Gesetzen der Vereinigten Staaten entgegenstehend heraus. Die Folge war, daß Garvey ins Gefängnis geschickt wurde. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wurde er nach den West-Indis deportiert. Diese Unternehmungen Ga[r]veys machten es sehr schwierig für ihn, seine Organisation später noch einmal aufzubauen. Er versuchte es zwar noch einmal in London, aber abermals beendete das Unternehmen einen Fehlschlag, und Ga[r]vey starb mehr oder weniger unbeachtet im Jahre 1940. Seine Idee jedoch eines afrikanischen Nationalismus griff um sich und gewann gewisse Wurzeln und vor allem inspirierte viele Afrikaner. </p>
<p>Auf der anderen Seite hat die Ga[r]vey-Bewegung sich hinderlich und erschwerend für die Bewegung für Pan-Afrika ausgewirkt. Während nämlich wir Pan-Afrikaner bemüht waren, innerhalb der Grenzen des Gesetzes unser Geschäft zu betreiben und durch Konsultation und durch gegenseitiges Verstehen voranzukommen, behaupteten die Imperialisten oder gaben vor zu erkennen, daß wir, indem wir uns Ga[r]veys Ideen anschlossen, rundheraus zur</p>
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<p>Revolution aufriefen. Die imperialistischen Kräfte begannen daher uns in Opposition gegenüberzutreten und die Kolonialvölker gegen amerikanische Neger, gegen amerikanische schwarze Hitzköpfe zu warnen. Während sich der Panafrikanische Kongreß noch einmal 1923 und dann noch einmal 1927 zusammenfand, muß gesagt werden, daß keines dieser späteren Treffen die Bedeutung des ersten erreichte, einfach deshalb, weil die beiden späteren Kongresse ihr Ziel, eine wirkliche Massenbasis bei den Negern zu schaffen, nicht erreichten. Wir haben vor allen Dingen versagt, als es darum ging, in Afrika selbst eine wirklich dauerhafte Organisation auf die Beine zu bringen. Allerdings, unsere grundsätzlichen Ideen, in gewissen Abständen Treffen abzuhalten und Vereinigungen für die Durchsetzung des Fortschrittes einzurichten, blieben am Leben, blieben lebendig. </p>
<p>Kurz nach dem ersten Panafrikanischen Kongreß wurde in Westafrika eine westafrikanischer Kongreß in A[cc]ra einberufen. Das Abschlußdokument dieses Kongresses war in bezug auf die Entwicklung der Demokratie in Afrika von außerordentlicher Bedeutung. Später dann von 1920 bis 1945 wurden afrikanische Kongresse in Nigerien, in der südafrikanischen Union, in Rhodesien, in Njassa-Land, Kenia, Uganda und in anderen Kolonien einberufen. Einige wenige von diesen Kongressen hatten eine direkte Verbindung zur Panafrikanischen Bewegung. Aber alle waren zumindest in gewissem Grade beeinflußt von der panafrikanischen Bewegung. Die weiße</p>
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<p>Südafrikanische Union unter Smuts versuchte unter anderem den Namen Pan-[Afrika] für sich zu usurpieren, aber dies Unternehmen schlug fehl. Nach dem zweiten Weltkrieg trafen sich Gewerkschafter in Paris und zum ersten Mal kamen schwarze Gewerkschafter mit ihren weißen Gewerkschaftskollegen zusammen, zum ersten Mal eine menschliche Begegnung von Angesicht zu Angesicht und besonders im Fall der britischen Gewerkschaften wurde ein Versuch unternommen, die weißen für ihre schwarze Kollegen sprechen zu lassen. </p>
<p>Die Schwarzen protestierten heftig dagegen und setzten ihre Sache in der Versammlung durch. Dieser dadurch sichtbar gewordene Unterschied und eine Reihe anderer Meinungsverschiedenheiten führten schließlich zur Spaltung der Organisation in westliche und kommunistische Gruppen. Vor der Spaltung jedoch forderten die afrikanischen Gewerkschaften einen weiteren Panafrikanischen Kongreß. George [Padmore], ein Neger von den westindischen Inseln, der in den Vereinigten Staaten erzogen und in London jetzt lebt, übernahm die Führung und setzte sich mit mir in Verbindung.</p>
<p>Ich war im Grunde genommen nur eine Art Ehrenmitglied zu jener Zeit und was von der panafrikanischen Idee und von Panafrikanischen Kongreß als einer ständigen Einrichtung noch existierte, bestand nur noch auf dem Papier und in der Erinnerung einzelner Männer. Aber Ideen haben ihre Macht, ich willigte ein und muß allerdings sagen, daß meine eigenen Angelegenheiten, insbesondere mein persönliches Geschick, damals nicht zum besten standen, die Weltwirt-</p>
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<p>schaftskrise hatte dazu geführt, daß ich selbst die Herausgabe der Zeitschrift „The Crisis“ aufgegeben hatten, ich war zu meinem akademischen Lehramt und zu Studien zurückgekehrt und zwar das für die letzten 10 Jahre. Als ich zur Gesellschaft NAACP gerufen wurde, war meine erste Forderung die panafrikanische Idee, die panafrikanischen Bewegung wieder zu beleben. Die Gesellschaft stimmte zu und der Aufruf zu einem 5. Panafrikanischen Kongreß gab mir noch einmal Gelegenheit meine Ziele zu propagieren. </p>
<p>Der Kongreß in Manchester, England, der schließlich zustandekommt, unterschied sich von allen vorherigen Kongressen entscheidend. Zunächst einmal war er von Afrikanern einberufen und auch von ihnen beherrscht. Meine eigene Rolle war eigentlich nur noch eine historische. Die Afrikaner selbst waren dort, um an ihrer eigenen Zukunft zu bauen, um sich eine aktive wirkungsvolle Organisation zu schaffen. [Padmore], ein  Negerschriftsteller von großer Erfahrung, ein Forscher auf dem Gebiet der Geschichte und ein Fachmann, was praktische Organisationsfragen angeht, war der spiritus rector des Treffens. Selbst die jüngeren Männer, die bei diesem Kongreß anwesen waren, sind bereits als historische Persönlichkeiten zu werten. Etwa [Jomo Kenyatta] aus Kenia oder [Kwame Nkrumah] von Ghana oder [Wallace-Johnson] aus [Sierra Leone] und andere aus den verschiedensten Teilen Afrikas. Ihre Arbeit bestand</p>
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<p>darin, die Bewegung neu zu organisieren und sie vor allem auf Afrika auszurichten. Als Ergebnis des Panafrikanischen Kongresses ist zu nennen: Ghana ist ein freies Land, Nigerien ist im Begriff, seine Freiheit zu erreichen. Tanganjika und Somaliland werden im Jahre 1960 als freie Staaten anerkannt werden. Uganda formiert seine Kräfte und in Kenia ist der Kampf im Gange. Der Belgische Kongo erhebt sich und Guinea und Madagaskar haben ihre Unabhängigkeit erklärt. Abessinien und Liberien sind bereits seit langem unabhängige Staaten, obwohl sie immer noch an die imperialistischen Mächte gebunden sind. </p>
<p>Der Sozialismus breitet sich in der Welt aus. </p>
<p>Nach meinem eigenen Gefühl ist, basierend auf dem Sozialismus, die Idee der Freundschaft mit den Kommunisten wie mit anderen Ländern von großer Bedeutung und die Erkenntnis, daß die großen Sprachen der Welt, Deutsch, Russisch, und Chinesisch genau so gut wie Englisch sind. </p>
<p>Die Panafrikanische Bewegung sollte sich bemühen, eine internationale Organisation zu werden, beginnend in Afrika, sich ausbreitend nach Asien, nach den westindischen Inseln und über die beiden Amerikas, Nord- und Süd-Amerika. Die Panafrikanische Bewegung sollte die Freiheit der Gedanken und die Freiheit der Reise proklamieren, sie sollte sich einsetzen für die Abschaffung des Elends und der heilbaren Krankheiten, sie sollte die</p>
<p><a href="S_10001_LS_29.jpg">Scanned Original</a></p>
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<p>Demokratie fördern mit dem Ziel, das öffentliche Wohl zu fördern und vor allem Frieden und den guten Willen unter den Menschen zu sichern. </p>
<p><a href="S_10001_LS_30.jpg">Scanned Original</a></p></body>

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